Sedierung mit Lachgas

Lachgas ist das älteste und am besten erforschte Betäubungsmittel in der Medizin.

Durch die beruhigende und angstabbauende Wirkung ist Lachgas ein bewährtes Hilfsmittel zur Behandlung ängstlicher Patienten – sowohl Kinder als auch Erwachsene.

Wirkung

Bereits nach wenigen Atemzügen setzt die Wirkung ein: Der Patient empfindet ein Gefühl der Leichtigkeit und gelangt in einen angenehmen Trancezustand. Viele Patienten fühlen sich wie nach dem Konsum von zwei Glas Champagner auf leeren Magen. Sie sind jedoch jederzeit ansprechbar und verlieren nie die Kontrolle über sich. Angst und Verspannung weichen einem beruhigendem Geborgenheitsgefühl: Der Patient kann innerlich völlig loslassen und angenehmen Gedanken nachgehen. Die Schmerzempfindung ist stark vermindert, eine Betäubungs-Spritze oder ein kleiner Eingriff wird kaum mehr wahrgenommen. Auch der Würgereiz und starke Schluckreflexe sind unter Lachgas fast völlig aufgehoben.

Lachgas wird in der Zahnarztpraxis durch eine kleine Nasenmaske verabreicht, immer gemischt mit Sauerstoff. Ist die Sauerstoffflasche leer, schaltet sich die Apparatur automatisch ab, so dass der Patient nie reines Lachgas einatmet. Der Sauerstoff-Anteil liegt immer bei gesicherten 30%.

Lachgas bei Kindern

U.a. Kinderzahnärzte setzen häufig auf die sedierende Wirkung von Lachgas. Natürlich muss das Kind eine entsprechende Bereitschaft zur Lachgasanwendung zeigen. Die Kinder werden angehalten, sich die Maske, mit der das Lachgas in die Atemwege geleitet wird, selber aufzusetzen. Ab dem Alter von 3 Jahren können Kinder so mit viel Umsicht und ohne unnötigen Stress behandelt werden.

Hintergrund und Geschichte

Der amerikanische Zahnarzt Horace Wells aus Hartford/Connecticut hat bereits ab 1844 bei Zahnextraktionen Lachgas eingesetzt und damit die erste Gas-Narkose in der Medizin ausgeführt. Wells hatte die schmerzstillende Wirkung zufällig bei einer Jahrmarktsveranstaltung beobachtet. Entdeckt wurde das Gas bereits 1772 durch Joseph Priestley.

Am Anfang stand – vor der der Einführung der Lokalanästhesie (Schmerzspritze) – eher die schmerzstillende Wirkung des Lachgases im Vordergrund, heute ist es vor allem seine angstlösende Eigenschaft bei der Behandlung von Patienten mit Zahnarztangst. In den USA und in vielen anderen Ländern (England, Skandinavien) wenden über 50 % der Zahnärzte Lachgas routinemässig bei ihrer Zahnbehandlung an.

Unsere Atemluft enthält 21% Sauerstoff, der Patient bekommt damit unter Lachgas sogar mehr Sauerstoff als beim normalen Atmen. Zusätzlich überwacht der Zahnarzt während der Sedierung mit Lachgas die Herzfrequenz und den Sauerstoffgehalt des Blutes des Patienten.

Risiken und Nebenwirkungen der Lachgas-Sedierung

Die Sedierung mit Lachgas ist eine extrem sichere Methode: Bei Millionen von dokumentierten Anwendungen in den USA, wo fast 90% der Zahnärzte mit Lachgas arbeiten, ist es zu keinem einzigen ernsten Zwischenfall gekommen. Nicht geeignet ist das Verfahren allerdings in folgenden Fällen:

  • Patienten mit behinderter Nasenatmung
  • gewisse Lungenerkrankungen (Emphysem)
  • Kinder unter 3 Jahren
  • nach gewissen Augen-OP (Vitrectomie)
  • hochgradig geistig Behinderte
  • Schwangerschaft (als Vorsichtsmassnahme)
  • Totalverweigerung bei Kindern
  • Platzangst (Klaustrophobie)

Quelle: Newsletter Zahnarzt24 1/2013
Dr. med. dent. Wolfgang Walzinger
eidg. dipl. Zahnarzt